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Urweibisches zum Dienstag - Loslassen

 

Ur-weibisches zum Dienstag

 

Der Blog für Weiber und Männer

 

 

 

 

 

Hallo ihr Lieben Menschenseelen !

 

 

 

Mein Blog ist heute ganz anders für mich.

 

Vor 9 Jahren, am 30.01.2009 verstarb mein Sohn Nils, nach 13 Monaten Kampf gegen den Krebs. Vier Wochen zuvor, am 28.12.08, kam meine Tochter Lilith tot zur Welt.

 

 

 

Zu Ehren dieser beiden wundervollen Seelen, welche mein Leben von Grund auf verändert haben, möchte ich heute meinen Blog widmen und in diesem Zusammenhang, über mein heutiges Thema berichten.

 

 

 

LOSLASSEN !

 

 

 

Vor neun Jahren stand ich am Abgrund meines Lebens. Ich verlor zwei Kinder und ich zweifelte an Allem, was ich um mich herum war nahm.

 

 

 

Ich fühlte mich wie in einem schlechten Film, vom Leben verraten und komplett in die Tiefe gestoßen.

 

 

 

Seitdem wusste ich, was Depressionen sind, seitdem wusste ich wie es sich anfühlt nicht mehr Leben zu wollen. Seitdem habe ich am eigene Leib erfahren, wie es ist, an seinen eigenen Gefühlen, Intuitionen und Wahrnehmungen zu zweifeln.

 

 

 

Mir wurde bewusst, dass nichts sicher ist ! Alles kann so schnell gehen, wie es gekommen ist.

 

 

 

Ich war eine leblose vor sich dahinvegetierende Hülle. Ich funktionierte und war innerlich froh das man wenigstens automatisch atmen konnte.

 

 

 

 

 

 

 

Ja, jetzt nach 9 Jahren, betrachte ich dieses sehr einschlägige Erlebnis aus der Metaebene und kann jetzt bereifen ,was damals mit mir geschehen war.

 

 

 

Es war nicht in Erster Linie die Tatsache, dass meine Kinder tot waren. Sondern dass, was mich am meisten Kraft und Nerven gekostet hat, war ein Großteil meines Umfeldes.

 

 

 

Die Tatsache, das ich als Mutter nicht ernst genommen wurde. Die stummen Hilfeschreie die ich ausgesendet hatte, welche mein damaliger Lebensgefährte und meine engsten Freunde erkannt hatten.

 

 

 

Ich bin in einen Schützenkampf der Egospiele geraten. Mitten drin mein Sohn. Ich fühlte nach der Diagnose, das seine Seele nicht den Weg der Heilung gehen wird. Heute ist mir bewusst, welche große Aufgabe er in Seinem kurzen Leben hatte, mich auf die richtige Spur, meinen ureigenen Weg zurück zu bringen und für das ein zu stehen und wenn nötig zu kämpfen. Ich war so tief mit ihm verbunden.

 

Ich fühlte jede Infusion welche ihm verabreicht wurde, als würde Sie durch meinen Körper fließen. Ich war gegen die Chemotherapie, ich fühlte das sie ihm nicht helfen wird. Er hatte einen Tumor, welcher zu 95 % entfernt werden konnte. Die Gabe der Chemotherapie lies die restlichen 5% explodieren. Er mutierte zu einem Tumor den es noch nicht gab und welcher sich über jede Chemo gefreut hat. Der Tumor wog am Ende 3 Kilo. Ich sah mein Kind und ich bin tausend Tode gestorben.

 

 

 

Doch als Mutter, wird man mit Intuition nicht einmal von der Krankenhauspsychologin ernst genommen. Null Chancen gehabt dieser Chemo zu entgehen. Ich musste mich zeitweise zurück ziehen, weil ich spüren konnte, wenn er an den Chemo-Infusionen hing, wie ihm das Gift durch die Venen gepumpt wurde.

 

 

 

Es gab Situationen, als Nils und ich allein waren, da haben wir einfach nur geweint. Nils sagte dann zu mir, Mama ich werde nicht mehr gesund. Ich werde sterben.

 

 

 

In diesem Moment, fühlte ich mich mehr als hilflos und hatte so tiefen Respekt vor dieser Seele.

 

Er sah mich an und ich konnte ihm nicht helfen !

 

 

 

Ich fühlte mich so hilflos ! Alle um mich herum predigten von früh bis spät auf mich ein, dass er es schaffen wird. Er ist ein Kämpfer, das steht er durch. Da gibt es noch die Therapie und die Therapie....

 

 

 

Ich konnte es nicht mehr hören und sehen !

 

Ich erlebte Menschen um mich herum, von denen ich dachte, dass ich Ihnen vertrauen kann, doch am Ende schützten Sie sich, mit ihrem Ego einfach nur selbst und versteckten ihre Hilflosigkeit dahinter.

 

Tiefe Gefühle zulassen, sich den Tatsachen stellen, war einfach unmöglich.

 

 

 

Es war, als las ich einen, in Sanskrit verfassen Text vor, wenn ich sagte, dass ich keine Therapien mehr möchte. Die Chemo der verkehrte Weg sei. Ich fühle wie es meinem Kind geht.

 

 

 

Verständnislosigkeit und Wut durfte ich erleben. Die Schatten der Vergangenheit kamen ans Tageslicht. Angst und Ausweglosigkeit trieben das Ganze in eine so verzwickte Situation, dass ich einfach nur noch wegrennen wollte!

 

 

 

Einer Seele zu gestatten, gehen zu können. Sie los zu lassen, ist für mich ein Akt der Liebe !

 

 

 

 

 

Heute weiß ich das der Tod in unserer Gesellschaft ein absolutes Tabuthema ist!

 

Wir haben keine tiefgreifenden Rituale um unsere Toten zu ehren und zu verabschieden. Ja, los zu lassen ! Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist für viele der Größte Albtraum.

 

 

 

In unserer Super-Duper Leistungs-Spaß-Gesellschaft, ist sterben ungern gesehen. Das lenkt so ab vom Konsumieren.

 

 

 

Tja, aber die Wahrheit sieht anders aus. Ich habe in den letzten 9 Jahren, keinen Menschen kennen gelernt, der bis dato keinen Schicksalsschlag in seiner Familie erlitten hatte.

 

 

 

In fast jeder Familie finden sich Schicksale mit Kindern und Erwachsenen, welche schwere Erkrankungen haben und doch ist das Thema Tod ein Tabu.

 

Das geht solange gut, bis zu dem Tag an dem man sich damit auseinandersetzen muss. Genau an diesem Tag, wird alles, was man je versucht hat unter irgendwelchen Masken zu verstecken, hochkommen und sich den Weg an die Oberfläche frei brechen.

 

 

 

Leben und Tod gehören zusammen. Unser aller Leben endet tödlich ! Das Gute daran ist, das man nicht weiß wann einem die letzte Stunde schlägt.

 

 

 

Es gibt nichts, was man im Leben kontrollieren kann. Alles was man versucht krampfhaft fest zu halten, wird weh tun und schlimme Schmerzen verursachen. Das Gefühl Kontrolle zu haben oder aus zu üben ist ein Trugschluss ! Es endet immer im Kampf und im Frust !

 

 

 

Früher oder später, wird sich dann genau das ereignen, was man eigentlich versuchte krampfhaft zu verhindern.

 

 

 

Wie findet man nun in den Loslösungsprozess?

 

 

 

Was bedeutet es, los zu lassen ?

 

 

 

Ich habe es für mich erfahren, dass ich wieder Vertrauen in mein Gefühl und meine Intuition zurück gewann. In den vergangen Jahren habe ich gelernt, meine Grenzen zu setzen und für mein Gefühl ein zu stehen.

 

 

 

Als Ersten Schritt habe ich angenommen was ist. Ich war im Hier und Jetzt. In meinem Schmerz, in meiner Trauer und ich wusste, dass ist jetzt der Weg, ohne Ausflüchte und Ausreden.

 

 

 

Ich sage nicht mehr ja um zu gefallen ! Ich bin ehrlich, spreche über meine Gefühle und stehe auch zu hundert Prozent dahinter. Ich durfte lernen authentisch zu sein.

 

 

 

In diesem Prozess habe ich viele Menschen los gelassen. Es ist so im Leben, dass sich einige Wege einfach nicht länger gemeinsam gehen lassen und andere Wege, finden sich dann in späteren Jahren wieder.

 

 

 

Beginne dich selbst war zu nehmen und auf deinen Körper und deine Gefühle zu hören. Weine wenn du weinen möchtest. Singe wenn du singen möchtest. Ja, fühle dich rein, du trägst alle Werkzeuge in dir und tief im inneren spürst du, was wichtig und richtig ist für dein Selbst.

 

 

 

Ich bin dankbar für die Menschen gewesen, welche mir zugehört haben und sich mit meinen tausend Sinnfragen aus einander gesetzt haben. Ja, ich bin zutiefst dankbar für die Engel an meiner Seite, diese lieben Menschenseelen, die mich wieder motivieren konnten ins Leben zurück zu finden. Tausend Dank an meine vier Kinder, die mich gelehrt haben, wofür es sich zu leben lohnt und worin der tiefe Sinn verborgen liegt.

 

 

 

Im Wunder des Lebens an sich. Mit all seinen Facetten. Ja, auch mit dem Sterben. Denn nur so ergibt es ein Ganzes !

 

 

 

Ich setze das Sterben hier in eine Metapher, denn jeder Abschied ist ein kleiner Tod.

 

 

 

Lass los und der Schmerz lässt nach. Beginne zu Vertrauen. In dich und deine eigenen Stärken. In deine Einzigartigkeit.

 

 

 

 

 

Wie seid ihr das Erste Mal mit dem Thema los lassen in Kontakt gekommen?

 

 

 

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Liebe und herzlichen Dank für eure Zeit !

 

 

 

Kirsten Thon von Alegria

 

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